Florian Sczesny [ˈflɔːriən ˈtsɛsni] is an artist & songwriter. And yet, he is not. For twenty years, he has answered the same question over and over again: "Can one make a living from it?" The questioners look at him with quiet pity, as if awaiting a confession, and he, in turn, responds dutifully, "Yes, but…" Always this but. An insurmountable obstacle, following him like a shadow, restraining him and yet driving him forward.

His music—what is it?
A trembling between freedom and inertia, between the urge to move and the fear of stepping into the void. It is the pounding of the heart, the murmur of static, an unbearable waiting for something that may come—or may not. He preserves moments that mean everything—and others that mean nothing, yet must still be endured.

His path?
An incomplete ledger, a table in which every row is filled, yet nothing is explained. A composer for BMG Rights Management. Studies in economics. A teacher—because, as they say, it provides security. But what is security? The pandemic arrives and takes it from him. Then a flood, as if loss were not already complete. Why me? he might ask, but he does not. He submits. And continues.

He plays concerts, many, more than 500.
The borders blur—Germany, Austria, Switzerland, the Netherlands, China. With Lake Cisco, EMMA6, and other projects, he steps onto stages, sometimes foreign, sometimes familiar. WDR Rockpalast? He was there. Freya Ridings, Giant Rooks, Meg Mac, Petal, Gloria, The Franklin Electric? Shared stages, fleeting moments. But what remains? The applause fades.

Beyond music, there is order, structure.
He loves tables. Perhaps the only musician who would admit such a thing. In columns and numbers, he seeks the control that life denies him. He is drawn to technology, but not as a market, not as capital. He wants to understand, not to exploit. He resists dependencies, fights systems that remain unseen—until one can no longer exist without them.

And yet: He establishes an event agency.
Why? Perhaps to impose structure upon himself. Perhaps because another attempt is always preferable to final failure. Perhaps simply because he must go on. An anti-addiction project. Another system to catch him before he falls. But the music remains. Unaltered, unguarded, without protection.

His new album: Songs to Record Before I Die.
The title is not an allusion but a statement of fact. Eight self-produced, acoustic guitar-driven songs about dementia, divorce, loneliness. About the attempt to shape life into a form that does not break. And yet he knows: There is no form that truly holds life.

Florian Sczesny [ˈfloːʁi̯aːn ˈt͡sɛsni] ist Künstler & Songwriter. Und doch ist er es nicht. Zwanzig Jahre lang beantwortet er immer wieder dieselbe Frage: „Kann man davon leben?“ Die Fragenden sehen ihn mitleidig an, als müsse er sich rechtfertigen, und er antwortet pflichtbewusst mit einem „Ja, aber…“. Immer wieder dieses „aber“. Ein unüberwindliches Hindernis, das ihn begleitet wie ein Schatten, das ihn zurückhält und doch antreibt.

Seine Musik – was ist sie? Ein Zittern zwischen Freiheit und Stillstand, zwischen dem Wunsch nach Bewegung und der Angst vor dem Schritt, der ins Leere führt. Sie ist Herzklopfen, Rauschen, ein unerträgliches Warten auf etwas, das vielleicht kommt, vielleicht auch nicht. Er hält Momente fest, die alles bedeuten – und solche, die bedeutungslos sind, aber ertragen werden müssen.

Sein Weg? Eine unvollständige Liste, eine Tabelle, in der alle Zeilen gefüllt sind und doch nichts erklärt wird. Ein Komponist bei BMG Rights Management. Ein Wirtschaftsstudium. Ein Lehrer – weil, so sagt man, es Sicherheit gibt. Doch was ist Sicherheit? Die Pandemie kommt und nimmt sie ihm. Dann eine Flut, als ob es nicht genug wäre. Warum ich?, könnte er fragen, doch er fragt nicht. Er fügt sich. Und macht weiter.

Er spielt Konzerte, viele, über 500. Länder verschwimmen – Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, China. Mit Lake Cisco, EMMA6 und anderen Projekten steht er auf Bühnen, mal fremd, mal daheim. WDR Rockpalast? War dabei. Freya Ridings, Giant Rooks, Meg Mac, Petal, Gloria, The Franklin Electric? Die Bühne geteilt, die Momente flüchtig. Doch was bleibt? Der Applaus verhallt.

Neben der Musik gibt es Ordnung, Struktur. Er liebt Tabellen. Wahrscheinlich der einzige Musiker, der das zugibt. In Spalten und Zahlen sucht er die Kontrolle, die ihm das Leben verweigert. Technologie interessiert ihn, aber nicht als Markt, nicht als Kapital. Er will verstehen, nicht profitieren. Er kämpft gegen Abhängigkeiten, gegen Systeme, die sich unsichtbar machen, bis man nicht mehr ohne sie kann.

Und doch: Er gründet eine Eventagentur. Warum? Vielleicht um sich eine Struktur zu geben, vielleicht, weil ein neuer Versuch immer besser ist als das endgültige Scheitern. Vielleicht, weil er einfach weitermachen muss. Ein Anti-Sucht-Projekt. Ein weiteres System, das ihn auffängt, bevor er fällt. Aber die Musik bleibt. Echt, roh, ohne Sicherung.

Sein neues Album: „Songs to Record Before I Die“. Der Titel ist eine Tatsache. Acht selbstproduzierte, von Akustikgitarren getragene Lieder, die von Demenz erzählen, von Scheidung, von Einsamkeit. Von dem Versuch, das Leben in eine Form zu bringen, die nicht zerbricht. Und doch weiß er: Es gibt keine Form, die das Leben wirklich hält.